Impressum
dreimal gewachst und 15 Stunden darauf rumgekloppt
dreimal gewachst und 15 Stunden darauf rumgekloppt

Statistik

Mitglieder: 1298
Threads: 993
Posts: 13984

Aktuell 12 Gäste online

Drummermagazin.de

Folgender Artikel stammt aus dem Drummermagazin und wird mit freundlicher Genehmigung hier mal gefeatured:


...und wieder auf dem Holzweg…

Die Trommel – ein simples Instrument mit einem Hauch schwarzer Magie!

Ein Trommelkessel ist ein zylindrischer, offener Hohlkörper bestehend aus miteinander verklebten Sperrholzplatten.

Trotz dieses relativ simplen Aufbaus gehört noch eine ganze Menge mehr dazu, um eine hervorragend klingende Trommel daraus zu machen.

Physikalische Eigenschaften:

Abgesehen von einigen Versuchen mit Trommeln aus Acryl, Fiberglas und Edelstahl werden Trommelkessel zumeist aus sommergrünen Harthölzern mit mittleren bis hohem Härtegrad hergestellt. Die Härte des Holzes wird mit KG/m3 angegeben.

Die bekannten Hersteller verwenden hauptsächlich:
- die Angabe in Klammern gibt die ungefähre Dichte bei 15% Feuchtigkeit an –

Ahorn (550) Lauan (470)
  Birke   (570)   Linde   (400)
  Buche   (600)   Pappel   (420)
  Esche   (520)   Meranti   (470)

Diese Zahlen gelten natürlich nur als Richtwert, auch ist zu beachten, dass die meisten Trommeln aus Furnieren und nicht aus soliden Brettern gefertigt werden.
Als Furnier bekommen sie teilweise ganz andere Eigenschaften als wenn sie als massive Holzplanken verarbeitet würden.
Auch innerhalb der einzelnen Holzfamilien gibt es viele Unterarten, die sich teilweise in ihren Merkmalen stark unterscheiden. Chinesischer Ahorn ist nicht gleichzusetzen mit amerikanischen Rock Ahorn, daher klingt ein Einsteiger Set aus Ahorn noch lange nicht wie ein DW Collectors Kit.
Im Zusammenhang mit den Lichtverhältnissen ist im Allgemeinen Holz einer Art umso dichter, je näher es am Polarkreis wächst. Generell gilt je dichter das Holz umso höher ist der Grundsound, Ausnahme ist aber zum Beispiel die Eiche, die obwohl sehr hart, aufgrund ihrer relativ porösen Struktur einen tiefen Grundsound erzeugt.

Für diese großen Hersteller steht bei der Auswahl des Holzes im Vordergrund, dass die Hölzer in ausreichender Menge sowie in gleich bleibender Qualität zu beschaffen sind.
In früheren Zeiten wurden Hölzer verwendet, die in der Region um den Standort vorkamen;
daher weisen fast alle deutschen Hersteller vor Beginn der Globalisierung Buchenkessel auf, die asiatischen Hersteller setzten auf das dort günstige Lauan, amerikanische Trommeln wurden aus Ahorn hergestellt.

Mit dem Beginn der Beat Ära wurden amerikanische Drumsets weltweit sehr populär, was wiederum zur Folge hatte, dass alle Schlagzeughersteller auf Druck der Kunden ihre High End Sets ebenfalls aus Ahorn zu bauten, wobei Buche fast vollständig vom Markt verschwand.


Auch müssen die Hölzer bearbeitbar sein, einige sind einfach zu hart oder zu unflexibel, um zu Furnier verarbeitet zu werden. Bei der Bearbeitung kommt es jedoch nicht unbedingt nur auf die Härte des Holzes, sondern auch auf den Gehalt an Kieselsäuren an. Es gibt zum Beispiel relativ weiches Holz aus Asien, das einen so hohen Gehalt an Kieselsäuren hat, dass es die Werkzeuge schneller stumpf werden lässt als bei viel härteren Tropenhölzern. Andere Hölzer fasern aus, so dass sie keine Gratung tragen können.

Da die Trommeln kreuzverleimt sind, sollten die Hölzer sowohl horizontal als auch vertikal zur Maserung eine saubere Kante liefern. Auch ist von Ausschlag, dass bei der Verarbeitung nicht zuviel Verschnitt anfällt. Zwetschge zum Beispiel hat hervorragende Klangeigenschaft, auf Grund ihres knorrigen Wachstums ist sie jedoch im Schlagzeugbau kaum einzusetzen.

Die günstigeren Schlagzeuge aus Fernost wurden über Jahre aus dem so genannten phillipinischen Mahagoni gefertigt. Dies ist ein Sammelbegriff für Hölzer der Shorea Familie, die jedoch in ihren Eigenschaften kaum etwas mit dem afrikanischen Edelholz gemein haben.

Holz aus Malaysien wird dabei als Meranti, das aus Sabah im nordöstlichen Teil der Insel Borneo als Seraya bezeichnet. Auf den Philippinen heißt es Lauan. Indo ist der Name für Holz, das aus dem Großraum Indonesien kommt. Es ist ein helles bis dunkles, rötlich braunes, faseriges Holz mit kleinen Poren. Je nach Intensität der Färbung wird es nochmals in verschiedene Untergruppen geteilt.


Seitdem Custom Hersteller wie Pilze aus dem Boden sprießen und damit auch der Druck wächst, sich von anderen abzuheben, werden immer neue exotische Hölzer aus dem Hut gezaubert.

Eine Bereicherung für Leute, die Wert auf Individualität legen, allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Abholzung ökologisch unbedenklich ist. Den tatsächlichen Nachweis darüber zu erbringen, ist natürlich äußerst schwierig. Tama denkt über eine Zertifizierung nach, nachdem sie mit ihren Bubinga Sets in den Blickpunkt von Umweltaktivisten gerückt sind.

Der Ölgehalt des Holzes steht ebenso im Zusammenhang mit dem Klang wie auch der Trocknungsgrad. In früheren Zeiten, als Schlagzeuge im Vergleich zum Lebensstandard deutlich teurer waren als heute und daher auch viel weniger produziert wurde, bezogen die Hersteller weitgehend natürlich getrocknete Hölzer von lokalen Händlern.

Bei der heutigen Massenproduktion ist man jedoch darauf angewiesen, die Hölzer maschinell zu trocknen, was sicher auch Einfluss auf den Klang nimmt.
zwei mal Ahorn
Birke
Buche
Esche
zwei mal Eiche
Meranti
zwei mal Bubinga
Pappel
Sound:

Generell wird Ahorn mit einem runderen und fetteren Grundsound mit längerem Sustain beschrieben, Birke soll etwas knackiger und besser für Studioaufnahmen geeignet sein.
Wie man leicht erkennen kann, liegt der Härtegrad bei den hauptsächlich verwendeten Hölzern Ahorn und Birke ziemlich nahe beieinander und daher stellt sich die Frage: Kann man da überhaupt einen Unterschied hören?

Ray Ayotte, einer der angesehensten Experten auf dem Gebiet des Trommelbaus, sagt hierzu:
"Kennst du wirklich jemanden, der den Unterschied hört? Zwei gleich gestimmte Drumsets, eines aus kanadischem Ahorn und eines aus finnischer Birke, zwei Hölzern die praktisch den gleichen Härtegrad aufweisen –wenn dein Leben davon abhängen würde – könntest du wirklich einen Unterschied hören".

Einen Hinweis auf diese Aussage gibt auch die Tatsache, dass Yamahas Absolute Serie je nach Holzart mit einem völlig anderen Fell ausgeliefert wird. Der Verdacht liegt nahe, dass ausgestattet mit gleichen Fellen, der Klang für einen Endkunden zu nahe liegen würde.

Nach Aussage von Jim Haler, Produkt Manager von Yamaha, wäre diese Sorge jedoch unbegründet: „Die Mehrheit der Kunden kauft mit den Augen und nicht mit den Ohren"!
Felle spielen natürlich eine sehr wichtige Rolle, Ray Ayotte schreibt ihnen sogar die maßgebliche Rolle am Drumsound zu.

Meiner Ansicht nach ist grundsätzlich immer eine schlechte Trommel mit guten Fellen einer guten Trommel mit schlechten Fellen vorzuziehen!
Auch ist immer wieder das Phänomen zu beobachten, dass manche Drummer ständig über die optimale Trommel philosophieren, auf ihrem Set sich jedoch abgenudelte Pin Stripe Felle mit dicken Klebestreifen befinden.

Und natürlich spielt auch die Raumakustik eine entscheidende Rolle im Soundempfinden. Jeder kennt das, an einem Abend ist das Set dein Freund und an einem anderen dein Feind.
Die beste Trommel und das beste Fell nützt jedoch dem nichts, der nicht gelernt hat damit umzugehen und es ist erschreckend wie viele Drummer keine Ahnung davon haben, wie eine Trommel gestimmt wird. Nicht dass es an technischem know how fehlt, sie hören schlichtweg die Trommel nicht oder besser noch - sie spüren sie nicht.

Die Fähigkeit, eine Trommel gut zu Stimmen, fliegt den wenigsten einfach zu – man muss sie sich erarbeiten – auch wenn das den Meisten zunächst keinen Spaß macht.
Wichtiger Faktor, ist sich zunächst Gedanken zu machen, wofür man das Set überhaupt benötigt.
Für einen feuchten Proberaum mit schlechter Akustik braucht man kein High End Kit und auf großen Bühnen, wo die Toningenieure die Regie über den Drumsound haben, kann man auch mal der Optik den Vorrang geben.
Tommy Aldrige sagt in einem Interview dazu:
„Bei Whitesnake benutze ich Live größere Trommeln, 2 x 24", 12", 14", 16" und 18" einfach, weil es viel besser aussieht. Im Studio jedoch 22", 10", 12", 14" und 16". Viele Leute haben noch nicht begriffen, dass kleinere Trommeln viel fetter klingen als Große.
Hey Mann, eine 20" x 18" macht den allerbesten Kick Sound, eine 24" sieht aber doch einfach
besser aus."


Bearbeitung:

Sehr dünne Furnierschichten werden kreuzverleimt, was bedeutet, dass die Lagen sich im Verlauf der Maserung abwechseln, ein Prinzip, was von der Firma
Gretsch in den 20er Jahren eingeführt wurde und dem Kessel mehr Stabilität verleihen soll.
DW bietet mit dem „Vertical Low Timbre" System Kessel an, bei denen bei der inneren und äußeren Furnierschicht die Maserung vertikal verläuft. Nicht ganz neu diese Idee, denn dies war bereits bei Sonor Kesseln bis zum Ende der 90er Jahre Usus.
Hintergrund hierfür ist, dass es Belege dafür gibt, dass der Klang entlang der Maserung wandert, einen Effekt, den sich auch die Fassbauweise zunutze macht.

Eine andere Konzeption ist der auf der NAMM Show 2008 vorgestellte
XS Shell von DW, bei dem die Furnierplatten schräg zur Maserung geschnitten, dann kreuzverleimt sind und so zu einem weitgehend spannungsfreien Kessel und einem noch tieferen Grundsound führen soll.

Entscheidend für den Klang ist natürlich auch die Kesseldicke, sie beeinflusst stark die Stabilität und ob eine Trommel laut oder leise ist.
Grundsätzlich kann man sagen, dicke Kessel sorgen für einen höheren, fetteren und lauteren Grundsound, dünnerer Kessel für schnellere sensiblere Ansprache, sie sind aber auch leiser. Hierbei kommt es sicher darauf an, den richtigen Mittelweg für das jeweilige Holz zu gehen. Hier spielt aber auch Marketing eine Rolle. So ging der Trend in den 80er Jahren in Richtung extrem dicker Kessel mit Stärken bis 1,2 cm, während die Kesseldicke heute nur noch bei der Hälfte liegt.
Doch es kommt hier nicht nur auf das Material, sondern auch auf den an, der es bedient.
Große und dickere Trommeln erfordern einfach eine härtere Gangart. Ein Beispiel dafür:
In Herrn Vogelmanns wunderbaren Trommelladen, einem der bemerkenswertesten Trommelläden seiner Art, steht als Unterrichtsset ein Ludwig Stainless Steel in original Bonham Größen (!). Ein interessierter Mitvierziger aus einer regionalen Top 40 Combo zeigte sich sehr interessiert daran und spielte einige Takte aus der Feder holländischer Blasmusikarrangeure. Das Set schepperte verheerend und alle Anwesenden zweifelten spontan an der Autensität des Bonham Sounds. Bis Mike Terrana, der ebenfalls anwesend war sich hinter das Set begab und mit seiner Version von „Black Dog" zeigte, wie dieses Set mit der richtigen Bedienung klingen kann.
Sound kommt auch aus den Handgelenken.

Jon Hiseman sagte zum Spiel auf großen Trommeln mal: " It´s like driving a lorry".

Einen unterschätzen Einfluss spielt die Innenseite des Kessels; hier gibt es viele Varianten, natur belassen, geölt, gewachst, lasiert und lackiert. Je nachdem wie sie auf die schwingende Luftsäule wirkt, verändert sie das Soundverhalten der Trommel. Manche Hersteller gaben an, dass die Lackierung den Schutz vor Feuchtigkeit diene. Legendär der Gretsch Silver Sealer, der einen großen Anteil am legendären Gretsch Sound haben soll. Beim Zola Coat, dem sich japanische und taiwanesische Hersteller in den 80er Jahren bedienten, liegt jedoch der Verdacht nahe, dass er hauptsächlich dazu diente, die üble Holzqualität dieser Sets zu kaschieren.
Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Innenseite zu gestalten und jeder Trommelbauer hat da sein Geheimnis; in einem sind sich jedoch alle einig, er sollte nicht zu glatt sein.

Es gibt Trommeln, die nie gut klingen können.
Das kann daran liegen, dass sich im inneren des Kessels poröse Holzplatten, die unter Umständen auch durch Krankheiten des Baumes verändert sind, verwendet wurden. Es ist sicherlich verlockend für den einen oder anderen (Billig-) Hersteller an den unsichtbaren Stellen günstiges (Abfall-) Holz zu verwenden, denn beweisen kann man es nur wenn man die Trommel zerstört, aber wer macht das schon.

Auch können Lufttaschen im Kessel den Klang störend beeinflussen.
Sie entstehen, wenn der Druck bei verkleben des Kessels nicht gleichmäßig ausgeübt wird oder nicht hoch genug ist.
Der Legende nach entdeckte John Good auf diese Weise das Timbre Matching. Denn in der Zeit, als die DW Kessel noch von einem amerikanischen Kessel-Hersteller geliefert wurden, klopfte er die Kessel ab, um Lufttaschen aufzuspüren.
Meiner Ansicht nach ist das jedoch heute ein zu vernachlässigendes Problem, da auf den modernen Pressen die Bildung von Lufttaschen weitgehend ausgeschlossen ist.

Natürlich sollte die Trommel auch schön anzusehen sein. Bis zu den 60er Jahren wurden die meisten Sets mit Folien bezogen. 1967 wurde die Firma Gretsch an den Klavierhersteller Balwin verkauft, der begann die Trommeln aufwendig wie bei Klavieren zu behandeln und kreierte damit den allgemeinen Trend zu Naturholoberflächen.
In den darauf folgenden 70er Jahren wurden dann auch viele Sets von den ungeliebten Folien befreit, was sie natürlich somit auch meist für den Sammler wertlos machte.
Problem war dabei oft, dass die Trommel ja nicht zum Strippen gedacht war und die Hersteller daher oft minderwertige Hölzer für die äußerste Schicht verwendeten, die nach dem Strippen zum Vorschein kamen.
Bis zum Ende der 90er Jahre hielt sich dann auch dass Gerücht, dass Folien grundsätzlich den Sound negativ beeinflussen, was nur teilweise richtig ist. Dies kann gelten, ist die Folie wie bei den meisten billig Sets nur an wenigen Punkten verklebt, oft nur mit Klebeband.

DW läutete mit ihren Finish Ply Sets dann die Renaissance der Folienfinishes ein und machte den Retro Look bei Drumsets modern. Bei dieser Bauart wird die Folie wie eine Holzlage behandelt und vollflächig mit dem Kessel verklebt. Heute gibt es neben den Folien, geölte offenporige Finishes, sowie eine endlose Zahl edler Furniere und lackierter Solid Finishes.

Manche sind jedoch schwierig zu lackieren.
Die Sets eines europäischen Herstellers waren zunächst mit Folie bezogen, doch man ersann eine Exclusiv Serie mit lackiertem Kessel. Ca. 6 Monate nach der Produktion begannen einige der Trommeln Blasen zu werfen. Zunächst konnte man es sich nicht erklären, bis man darauf kam, dass sich der Leim der Eukalyptusplatten und die Lösungsmittel des Lacks nicht vertrugen.
Daher ging man bei diesen Sets dazu über, sie mit einer Außenlage Birke zu versehen.
Das Tama Bubinga trägt in der Solid Version eine Außenlage Ahorn, da diese sich wesentlich besser lackieren lässt als das dunkle Bubinga.

Verstärkungsringe wurden zunächst angebracht, um die Stabilität des Kessels in Zeiten als noch nicht mit so modernen Fertigungsmethoden wie heute gearbeitet wurde, zu erhöhen.
Aber natürlich hatten sie auch einen starken Einfluss auf den Klang. Gerade in den letzen Jahren erlebte neben dem Vintage Look auch der Vintage Sound eine Wiedergeburt und mehr und mehr Hersteller haben wieder Linien mit Reinforcement Hoops im Programm.

John Good beschreibt den Effekt wie folgt:

"Der Ring verstärkt die Qualität des Anschlags. Er hält ihn für einen kurzen Moment und entlässt dann gleichmäßig die tieferen Frequenzen – voll und rund – thats the beauty".

Aber ob mit oder ohne Ring, einen der wichtigsten Einflüsse hat natürlich die Gratung.

Sie stellt den Kontakt zwischen Trommelfell und Kessel her und der sollte absolut perfekt ausgeführt sein, was eine gewisse Sorgfalt erfordert.
Raspel, Feile und grobes Schleifpapier sollten hier absolut tabu sein. Zunächst muss der Kessel völlig plan aufliegen ohne jegliche Unebenheiten. Mit einer Unterfräse wird der Kessel dann von innen nach außen rundherum mit dem jeweiligen Schnitt versehen.

Oft wird die Gratung auch mit einem Gegenschnitt auf einer der äußeren Lagen versehen. Dann wird sie mit feinstem Sandpapier ganz glatt geschliffen, damit das Fell sich beim Anschlagen darüber bewegen kann.
John Good demonstriert im DW Film „American Dream", wie man eine Kesselgratung überprüft. Der Kessel wird auf eine absolut ebene Fläche gestellt, mittels einer Lampe wird das Innere des Kessels ausgeleuchtet. Im Optimalfall kann kein Lichtstrahl unter dem Kessel nach Außen dringen.

Es gibt viele verschiedene Varianten.
Schnitte mit 45° Winkel sind sehr verbreitet, aber auch 30°, 60°, doppelte 45°oder auch abgerundete Gratungen sind (wieder) zu finden.
Selbstverständlich hat auch hier jeder Trommelbauer sein ganz eigenes Rezept. 45° ist stabil, einfach herzustellen und sorgt für ordentlich Attack.
Auch der doppelte 45° Schnitt hat seine Vorzüge, er ist einfach zu stimmen und gibt dem Fell größere Bewegungsfreiheit, bedingt durch den durch diesen Schnitt leicht verringerten Kesseldurchmesser.
In den letzen Jahren fand auch die abgerundete 45° Gratung wieder großen Zuspruch, sie sorgt für einen relativ großflächigen Fellkontakt und macht auf diese Weise den Klang weicher. Auch der 30° Schnitt beruhigt den Sound, während der 60° Schnitt den Anschlag verstärkt.
Sagt man!

Natürlich gibt es auch noch verschiedene Varianten einen Kessel herzustellen:
Ob aus einem gebogenen Brett, in Fassbauweise oder aus einem Baumstumpf rausgefräst. Für die massenweise ökonomisch sinnvolle Herstellung hat sich die Schichtbauweise jedoch klar durchgesetzt.


Holzkombinationen:

Verschiedene Hölzer miteinander zu kombinieren hat eine lange Tradition, so findet man bei vielen Vintage Drums in den mittleren Kessellagen oft Pappel oder Gumwood (Gretsch).
Dies hatte zunächst wirtschaftliche Gründe bei den nicht sichtbaren Lagen auf günstigere Hölzer zurückzugreifen.
Ein früherer Trommelbauer von Sonor erzählte mir jedoch, dass man damals auch ans Gewicht dachte. Im Einsteigerbereich aus Fernost war diese Bauart bis vor wenigen Jahren noch weit verbreitet.
Kessel aus einer Holzart wurden vom Marketing in den 80er Jahren entdeckt und nach und nach zog diese Bauweise vom zunächst High End über die Mittelklasse bis heute in den Entry Level.

Doch genau das bringt die großen Hersteller in Zugzwang, sich von diesen günstigen Produkten abzuheben.
Premier machte den Anfang mit der Gen X Bauweise, die Eigenschaften des fetten warmen Sound von Ahorn mit dem Attack der Birke verbinden soll. Tama kombiniert Birke mit Bubinga und Pearl Birke mit afrikanischem Mahagoni.

Wobei man bei der Kombination auch Vorsicht walten lassen sollte. Einige Hölzer haben ein so unterschiedliches Schwingungsverhalten, dass eine Kombination wenig Sinn macht.
Aber es gibt auch noch andere Probleme.
Ein europäischer Hersteller kombinierte in den 90er Jahren Meranti mit Eukalyptus. Zunächst verbindet man – jedenfalls ich – mit diesem australischen Hartholz sentimentale Gefühle wie darauf kletternde flauschige Koalas oder endlose Wälder.
Es handelte sich aber schlicht um das gleiche Material aus dem die Rückwände von Kleiderschränken gemacht sind – Platten aus leimgebundenem (Eukalyptus-) Sägemehl. In einer Einsteiger Serie hatte man diese Platten bereits über Jahre mit Meranti verbunden. Man verband sie dann mit Birke.
Doch der Versuch Eukalyptus auch mit Ahorn zu verbinden scheiterte. Meistens rissen die Kessel nach kurzer Zeit zwischen den Lagen an der Bass Drum


Hardware:

Ein großes Handikap für einen offenen Klang der Trommeln waren fest an den Kessel verschraubte Tomhaltesysteme.
Jeder kennt das Phänomen, man stimmt eine Trommel, hält sie am Spannreifen, schlägt sie an und sie erzeugt ein wunderbares Sustain. Montiert man sie jedoch auf einen Tomhalter, klingt sie stumpf und flach, als hätte man ihr die Kehle zugeschnürt, was am Haltesystem liegt.
Frühe Haltesysteme, wie die Rail Consolette boten zunächst wenig Auflagepunkte, doch nach und nach bildete sich eine Art von Rüstungswahnsinn, der in der Gretsch Monstertomhalterung mit Riesenlöchern im Kessel oder den Zentimeter starken Gussplatten und penetrierenden Tomarmen bei Sonor resultierten.
Gary Gauger schaffte mit seinem Rim System Ende der 80er Jahre den Durchbruch.
Gerade bei Vintage Drums wird es jedoch als optisch störend und beim Fellwechsel als unpraktisch empfunden.

Eine nahezu ideale Lösung bietet das Yamaha Enhanced Sustain System (Y.E.S.S.), das zwar an den Kessel gebohrt wird, sich jedoch soundtechnisch weitgehend neutral verhält und optisch unauffällig ist.

Eine weitere wichtige Erfindung zur Verbesserung des Sounds war die „Self-Alignig Swivel Nut" von Leedy.
Zuvor wurden die Spannschrauben in ein starres Gewinde der Böckchen eingeschraubt, was große Spannung auf den Kessel leitete. Bei der „sich selbst ausrichtenden schwenkbaren Gewindehülse" sitzt eine Gewindehülse locker im eigentlichen Spannbock und kann so die Kräfte der Schraube gleichmäßig verteilen. Sie ist heute Standard bei allen Trommeln.

Und auch die Spannreifen nehmen je nach Gewicht und Beschaffenheit großen Einfluss auf den Klang. (
mehr dazu im Artikel: „Herr der Ringe")

Aber auch die verbleibende Hardware hat einen großen Einfluss auf den Klang.
Ein bekannter Custom Drum Hersteller, der hier nicht genannt werden möchte, sagte mir: „Nimmt man einen handelsüblichen Kessel und montiert die Hardware der Firma A daran, wird er auch nach Hersteller A klingen. Nimmt man die Hardware der Firma B, wird er auch nach Firma B klingen. Also beeinflusst die Hardware den Sound.


Trommelgrößen:

Die traditionellen Trommelgrößen haben sich in mehreren Jahrzehnten entwickelt, was auch mit der Umstellung von cm auf Zollmaße in den 60er Jahren zu tun hat.
Über lange Zeit war 22" x 14"/ 12" x 8" / 13" x 9" und 16" x 16" das Maß aller Dinge.
Mit Beginn der 80er Jahre ging die Entwicklung zu quadratischen Größen und pendelte sich in den 90er Jahren bei den Accelgrößen 10 x 8, 12 x 9 und 14 x 11 mit langer Bass Drum ein.
Seit einigen Jahren geht der Trend eindeutig in Richtung 14" x 14" Floor Tom.

Momentan wird von einigen Seiten versucht, extrem kurze Kessel zu etablieren.
Ob die „X- tras" mit quadratischen Kesseln zu Beginn der 80er Jahre oder die Hyperdrive von 2008, Hintergrund hierbei ist es, einen neuen Trend zu kreieren.
Ob besser oder nicht, der Absatz zählt, denn es muss ja was verkauft werden.
Dazu werden natürlich auch Endorser eingesetzt, die diesen neuen Trend in der Öffentlichkeit präsentieren – was sie tatsächlich im Studio einsetzen steht wieder auf einen anderen Blatt.

Die Tonhöhe wird deutlich mehr vom Durchmesser als von der Tiefe beeinflusst. Je tiefer die Trommel ist, umso schlechter wird die Projektion und das Ansprechverhalten,  jedoch weist sie ein längeres Sustain auf.
Dies ist physikalisch einfach zu erklären: Es wird eine größere Luftsäule (respektive größere Masse) durch Anschlag des Schlagfelles in Bewegung gesetzt, welche weitere Wege zurücklegt und auf diese Weise auch träger reagiert. Die größere Masse speichert jedoch auch mehr mechanische Energie und gibt diese langsamer wieder ab.

Trommeln mit identischen Klangverhalten und sauberer Abstufung berechnen sich nach einem Verhältnis nach dem schon klassische Musikinstrumente berechnet wurden, so zum Beispiel Orgelpfeifen.
Der deutsche Custom Hersteller
Troyan-Zachow hat im Jahr 2002 ein solches Set vorgestellt. Die Toms haben die Größen 8" x 6,33", 10" x 7,94", 12" x 9, 51 und 14" x 11, 12"
(Test unter: http://www1.sticks.de/magazine/0304/troyan.htm )

 

Und die Magie?:


Es gibt heute kaum noch ein wirklich schlecht klingendes Schlagzeug.
Um den Sound noch einen kleinen Tick besser zu machen, muss man jedoch einiges Geld in die Hand nehmen.
Aber es gibt auch Dinge, die sich nicht mit Geld regeln lassen und auch schwer zu erklären
sind:

-
Sonor Schlagzeuge – jedenfalls die in Deutschland hergestellten – klingen immer noch nach Sonor und das, obwohl sich das Design und der Kesselaufbau über Jahrzehnte grundlegend verändert hat.


- Es hat bereits etliche Versuche gegeben, es ist aber bisher noch keinem Hersteller gelungen, den Klang der
Ludwig Supra Phonic Snare wirklich authentisch nachzuahmen – obwohl das mit der heutigen Technik spielend möglich sein sollte.


- Ich hatte schon Trommeln in der Hand, die überhaupt nicht hätten klingen dürfen, da sie entweder unrund, in sich verzogen, beschädigt, ohne Gratung oder alles von dem zusammen waren. Aber sie klangen phantastisch und das lag nicht nur an besser abgelagertem Holz früherer Zeiten.



Image:

Schlussendlich aber spielt - ob wir es möchten oder nicht - das Image eine ganz große Rolle beim Bau der perfekten Trommel.
Mythen und Legenden sowie sie sich zum Beispiel um den Namen Gretsch ranken sind dabei sehr hilfreich. Und natürlich spielen auch die Endorser einen wichtigen Part in diesem Spiel.

Wenn es nicht so wäre, würde eine so kleine Industrie wie die Schlagzeugindustrie nicht soviel Geld in die Hand nehmen, wie sie es tut. Auch wenn natürlich fast jeder von uns verneint, dass er sich von dieser Art der Werbung beeinflussen lässt.

Man sieht also, viele Wege führen nach Rom, aber wahrscheinlich hören viele sowieso das, was sie hören wollen.

Weitere Gedanken zum Trommel-Holz unter
„Auf dem Holzweg"

 

(Mit freundlicher Genehmigung von Fritz Steger aus dem Drummermagazin )


 


Man muss Registriert sein um Shout! nutzen zu können
Registrierung hier!